GESCHICHTE DER SEPHARDIM IN SPANIEN
Sephardim
ist der Name für die Nachfahren der spanisch-portugiesischen Juden.
Schon vor dem Ende des jüdischen Staates in Israel hatten sich Juden
auf der Iberischen Halbinsel angesiedelt. Als es dann zwischen 132 und
135 n. Chr. in Judäa noch einmal zu einem gewaltsamen Aufstand gegen
die römische Besatzungsmacht kam, wurden Juden getötet oder kamen in
die Sklaverei. Viele flüchteten. Den Juden wurde bei Todesstrafe
verboten, Jerusalem künftig zu betreten. Auf der Iberischen Halbinsel
kam es bald zu einem neuen Aufleben und einer Blütezeit der jüdischen
Kultur. Aber schon kurz nach dem Übertritt Konstantins des Grossen zum
Christentum gerieten die Juden wieder in Bedrängnis. Die
christlichen Landesherren forderten die Bekehrung der Juden zum
Christentum. Friedliche Zeiten wurden abgelöst von Zwangstaufen und
Vertreibungen. Als dann noch die
Muslime über Nordafrika gegen die Iberische Halbinsel vorrückten,
wurden die Juden angeklagt, gemeinsame Sache mit ihnen zu machen. 711
eroberten die arabischen Truppen Spanien und stoppten damit vorerst die
antijüdische Stimmung. Zwar waren Juden wie andere Nichtmuslime
restriktiven Auflagen und Gesetzen unterworfen, andererseits wurden sie
als «Volk des Buches» respektiert. Die ersten Jahrhunderte der
arabischen Herrschaft brachten eine Zeit des Friedens und eine
Hochblüte des Judentums in Kultur und Wissenschaft.
Die Situation
änderte sich im 12. und 13. Jahrhundert. Vonseiten neuer arabischer
Herrscher kam es zu einer Reihe von Verfolgungen. Gleichzeitig häuften
sich die kriegerischen Zusammenstösse zwischen Kreuz und Halbmond.
Schliesslich feierte das christliche Spanien den Sieg der Reconquista,
der Wiedereroberung spanischen Bodens von den Arabern.
Die
vorerst judenfreundliche Politik des christlichen Königs und des Adels
stand in Spanien jedoch bald einer judenfeindlichen Einstellung von
Kirche und Bürgerschaft gegenüber. Nach
einer Hetzpredigt des katholischen Priesters Ferdinand Martinez in
Sevilla stürmte 1391 der Pöbel das jüdische Stadtviertel, tötete
Tausende der Bewohner und verkaufte die Überlebenden, soweit sie sich
nicht taufen liessen, als Sklaven an die Moslems. Innerhalb weniger
Wochen griff dieser «Heilige Krieg» auf Córdoba und Toledo über. Bei
weiteren Ausschreitungen wurden Zehntausende von Juden getötet; eine
noch grössere Zahl rettete ihr Leben nur durch die Verleugnung ihres
Glaubens; diese Juden zogen die Taufe dem Tod vor und wurden Conversos
(Bekehrte) bzw. Marranos (Schweine) genannt.
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Erstaunlich viele Juden leben heute
in Nord-, Zentral-, Südamerika und in der Karibik, ohne sich ihrer
wahren Identität bewusst zu sein. Aber in letzter Zeit entdecken viele
von ihnen, dass ihre Originalwurzeln nicht in diesen Ländern zu suchen
sind, sondern in Israel. So wächst in ihnen der Wunsch, sich mit ihrer
Vergangenheit auseinander zu setzen.